WP Bericht zum Paukenschlag in Schwelm

Aufgrund der unbefriedigenden Hallensituation tritt der gesamte Vorstand der Handball-Abteilung beim Landesliga-Spitzenreiter zurück.

Man könnte meinen, alles liefe perfekt für die Schwelmer Handballer. Mit vier Senioren- und neun Jugendmannschaften stellen sie die größte Abteilung der TG Rote Erde Schwelm. Die erste Herrenmannschaft ist nur zwei Punkte davon entfernt, in die Verbandsliga aufzusteigen. Der Jugendbereich entwickelt sich prächtig. Und doch sorgte der amtierende Vorstand bei der abteilungsinternen Jahreshauptversammlung am Dienstagabend für einen lauten Knall. Stephan Maubach, Andreas Süß und Fritz Hemfort traten gemeinsam von ihren Ämtern zurück, eine geeignete Nachfolge ist nicht in Sicht. 

Die Begründung

Grund für diesen, für viele wohl überraschenden Schritt, ist die Perspektivlosigkeit, der sich die Verantwortlichen gegenüber sehen. Hauptproblem hierbei ist ein geeigneter Spielort. „Erfolgreicher Leistungshandball ist ohne Haftmittel nicht möglich, schon im Jugendbereich. Und da beißen wir seit Jahren auf Granit.“ Das Haftmittel oder etwaige Alternativen sind in der Dreifeldhalle nicht zugelassen. „Wir haben alles gegeben und unter anderem ein Haftmittelkonzept vorgestellt. Alle unsere Vorschläge wurden abgelehnt“, sagt Stephan Maubach. 

Die Problematik

Wie bereits beschrieben, stören sich die Handballer am Hallenboden der Sporthalle. Die Beschwerden richten sich dabei nicht nur gegen das Verbot zur Nutzung von Haftmitteln, sondern beziehen auch die generelle Beschaffenheit des Bodens mit ein. Der Boden der Halle ist auf Basketball ausgelegt und laut Hersteller auch für Jugendsport nur „bedingt geeignet.“ Hersteller ist die Firma TOP-Sport GmbH, auf deren Internetseite findet sich eine Auswahlliste der Böden, die die Firma anbietet. Zudem wird dort auch für jede der vier angebotenen Bodenvarianten die Eignung für verschiedene Sportarten eingestuft. 

Nur für Basketball „gut geeignet“

Der in Schwelm benutzte „flächenelastische Holzschwingboden“ ist laut dieser Auswahlliste nur für Basketball, Badminton, Rollhockey und Kunstradfahren gut geeignet, für andere Sportarten wie eben Handball aber auch Fuß- und Volleyball gilt der Boden als geeignet. „Wir hatten in den vergangenen Jahren bereits Fälle, wo Spieler nach einem Aufprall auf dem Boden ins Krankenhaus mussten“, sagt Stephan Maubach. Für ihn ist die Einstufung des Bodenherstellers ein weiteres Indiz dafür, dass die Dreifeldhalle vor allem für die Basketballer gebaut wurde. „Das ist ja auch so in Ordnung, nur sollte dann auch eine Lösung für andere Sportarten angeboten werden“, so Maubach. So richten sich die Vorwürfe eher nicht gegen den Eigentümer der Halle, sondern viel mehr an den Untervermieter, die Stadt Schwelm.

Mögliche Lösungen

Zahlreiche Lösungsvorschläge wurden abgelehnt oder blieben ergebnislos. Wirklich glücklich wurden die Handballer in der Dreifeldhalle ohnehin nie. Die Aussicht auf eine baldige Genehmigung durch Stadt oder Halleneigentümer besteht nicht. Eine mögliche Rückkehr in die Halle West steht in den Sternen, eine mögliche Alternative wäre das Ausweichen auf eine Halle außerhalb von Schwelm wie das Gevelsberger Pendant, in dem unter anderem der Verbandsligist HSG Gevelsberg-Silschede seine Spiele austrägt. 

„Solche Möglichkeiten müssten geprüft werden, würden aber niemanden glücklich machen. Im schlimmsten Fall muss die Abteilung geschlossen werden“, geben sich die Verantwortlichen resigniert. Dies wäre der Super-GAU, zumal angesichts der durchweg positiven Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahren. „Wir haben alles versucht und sind schlichtweg ratlos. Wir haben so viel Zeit und Herzblut investiert, ohne einer langfristigen Lösung mit einer guten Perspektive für den Leistungshandball näher zu kommen. So kann es nicht weitergehen“, lautet das bittere Fazit.

Halle West steht weiter leer

Andreas Happe vom Stadtsportverband Schwelm fordert ohnehin eine Wiederinbetriebnahme der Halle West. „Das habe ich vom ersten Tag an gesagt“, sagt Happe. Auch das Märkische Gymnasium oder die Grundschule Engelbertstraße würden eine Nutzung der grundsätzlich funktionstüchtigen Sporthalle begrüßen. Im Interesse des Sports in der Kreisstadt scheint diese Möglichkeit unumgänglich – bevor der Handball aus Schwelm verschwindet. Gerade jetzt, wo das Landesliga-Team nur noch einen Sieg vom Aufstieg in die Verbandsliga entfernt ist, rückt der Sport in den Hintergrund. Es geht um dessen Existenz in der Stadt.

Quelle: Funke Medien